Reisen Wandern

Wandern mit Ausblick: Sylt und das Rote Kliff

am
7. März 2018

„Ach schau mal. Das Rote Kliff. Jetzt weiß ich wo wir sind! Vor der Sylter Westküste.” Das könnte vor Jahren so oder so ähnlich ein Seefahrer ausgerufen haben, der sich verirrt hatte. Denn das Rote Kliff war und ist einzigartig. So diente die rot schimmernde Steilküste Seemännern zur Orientierung und sorgte damit für die Sicherheit der Schiffe vor Kampen. Es gab und gibt keine vergleichbare Erhebung – weder an der deutschen, dänischen, noch an der holländischen Nordseeküste.

Das 120.000 Jahre alte Rote Kliff befindet sich westlich von Kampen. Wir parken oberhalb an der Kurhausstraße. Von hier aus wandern wir zunächst am Restaurant Sturmhaube mit seinem kreisrunden Reetdach vorbei, über Holzbohlenwege zum Aussichtspunkt des Roten Kliffs. Hoch über dem Meer haben wir einen unverfälschten Blick auf die raue Nordsee: an den Strand brandet die Nordsee, die dunkelblau-grauen Wellen brechen sich. Stellenweise ist das Kliff bis zu 52m hoch. Leider nagt der Winter immer wieder mit Sturmfluten am Kliff und trägt regelmäßig große Stücke fort. So wird die Steilküste immer weiter abgetragen. Vom Aussichtspunkt aus sehen wir Spaziergänger, Wanderer, junge und ältere Paare, Familien und viele Hunde mit bunten Hundewesten bei strahlendem Sonnenschein an der Wasserkante entlang spazieren. Es ist wahres Kaiserwetter.

Der achteckige Leuchtturm von Kampen

Durch unsere Sonnenbrillen erblicken wir auch das alte Quermarkenfeuer. Ein echtes Wahrzeichen. Das bewandern wir als nächstes. Vorbei am beliebten Kampener Strandübergang, geht es in die Dünenlandschaft hinein. Inmitten derer steht ein achteckiger Riese aus Beton. Früher warnte der Klinkerputz-Leuchtturm die Kampener vor Salzsand. Besuchen kannst du den Riesen zwar nicht, dafür aber von außen bestaunen. Er ist ein sehr beliebtes Fotomotiv. Als wir selbst ein Bild machen wollen, bemerken wir eine prall gefüllte dunkle Wolke über unseren Köpfen. Ob es wohl regnen wird? Optimistisch wandern wir hinein in die Dünenlandschaft des Roten Kliffs Richtung List. Unser Motto: es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung!

Wandern auf der Trasse der Rasenden Emma

Wir sind unterwegs auf der stillgelegten Trasse der alten Sylter Inselbahn. Die Rasende Emma war bis 1970 aktiv und verband unter anderem die Inselorte Westerland und List miteinander. Der heutige asphaltierte Wander- und Radweg führt direkt durch das Naturschutzgebiet. Vereinzelt sehen wir sogar auf die andere Seite des Eilands – der ruhigen Wattseite. 2 km trennen die Watt- und Nordseeseite hier. Beim Eintritt in den Dünenwanderweg verfolgt uns die graue Regenwolke, die sich mittlerweile zu einem dunklen Ungeheuer verwandelt hat, das alles zu verschlingen droht. Und plötzlich fängt es tatsächlich an zu nieseln als würde das Ungeheuer ein paar Tränen verdrücken. Anschließend wütet das Ungeheuer richtig stark. Es regnet für ein paar Minuten so heftig, dass wir unsere Kapuzen runterklappen. Eine Regenwand entsteht. Machen wir ein paar Schritte zurück, regnet es nicht, sondern die Sonne strahlt vom Himmel.

Liegt Sylt vielleicht am Ende des Regenbogens?

So kommt es, dass wir – mit dem Regen vor uns und der Sonne im Rücken – einen stimmungsvollen Regenbogen sehen. Der bunte Bogen leuchtet in unendlichen Farben. Wir beobachten, dass der Himmel oberhalb des Regenbogens dunkler ist. Ein bizarres Naturschauspiel. Und… nach ein paar Minuten ist der heftige Schauer vorbei, das Ungeheuer verzieht sich so schnell wie es gekommen ist. Der Regenbogen verweilt noch etwas, bis auch er sich unseren Augen entzieht. Die Insulaner wissen um das ständig wechselnde Wetter auf Sylt. Der Wind jagt die Wolken über das Eiland. Mal sind sie gar nicht zu sehen, dann weiden sie wie Schäfchen, um sich im nächsten Moment aufzutürmen. So wechseln sich Wolken- und Lichtstimmung ständig ab. Perfekt für Fotografie-Liebhaber. Denn was wäre ein Foto ohne Wetter?

Einzigartige Dünenwelt, saftige Wiesen und Weiden

Das Besondere am Dünenwanderweg Richtung List: wir wandern inmitten des Naturschutzgebietes und sind umgeben von saftigen Wiesen und Weiden. Vereinzelt bieten Bänke die Möglichkeit etwas zu Verweilen und die ausgedehnte Dünenwelt auf sich wirken zu lassen. Und das machen wir auch. Wir machen Rast. Holen unsere weiße Emsa-Thermoskanne raus, nehmen einen großen Schluck Kräutertee und lassen die Natur auf uns wirken. Das ist Balsam für die Seele. Hinter den Dünen erahnen wir die Nordsee. Doch noch sind wir voll eingenommen von der idyllischen, grün-gelben Landschaft.

Jodhaltige Seeluft umweht unsere Nase

Dann zieht es uns wieder an den Strand. Deshalb biegen wir nach der Akademie am Meer, welche die älteste Volkshochschule Schleswig-Holsteins beherbergt, in einen schmalen Weg durch die Dünen Richtung Weststrand ab. Bevor wir zum Strand hinunterrennen genießen wir für einen Augenblick die traumhafte Kulisse der Nachmittagssonne. Sie taucht den Sand und das Meer in ein fröhliches gelbes Licht. Doch dann rennen wir hinunter… wir atmen die kostbare Nordseeluft ein. Die ist gesund für die Haut und die Bronchien. Wir können freier atmen, das merken wir immer an der See. Die jodhaltige Seeluft umweht unsere Nase. Schnell legt sich ein zarter Film auf unsere Haut.

Lange laufen wir so am Meer entlang und zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Roten Kliff. Wir sehen die hohen Dünen, das wilde Kliff, die hölzernen Buhnen. Sanderlinge laufen am Strand auf und ab. Langsam geht die Sonne unter. Wir versuchen die goldene Stunde einzufangen. Bis wir am Fuße des Roten Kliffs ankommen, ist die Sonne schon im Meer versunken. Jetzt erstrahlt die rostig-rote Erde bläulich. Die blaue Stunde ist angebrochen. Es wird Zeit sich auf den Heimweg zu machen.

Infos & Tipps

Parken: Parken kannst du direkt am Roten Kliff, unterhalb vom Restaurant Sturmhaube in der Riperstieg. Oder du parkst oberhalb an der Kurhausstraße.

Wandern: Die stillgelegte Trasse der Alten Emma von Westerland nach List geht über 18 km. Sodass du in Westerland deine Wanderung starten und bis zur nördlichsten Spitze der Nordseeinsel wandern kannst. Aber Achtung: der Wanderweg ist auch ein Radweg. Insbesondere im Sommer fahren hier die Urlauber Rad an Rad. Im Winter begegnet dir nur vereinzelt ein Radfahrer, der gegen die steife Brise in die Pedalen tritt. Solltest du auch Lust bekommen auf eine Tour mit dem Rad: Fahrräder kannst du überall auf der Insel leihen. Ob Tandems, Fat- und Mountainbikes oder bequeme E-Bikes. Sylt hat sie alle im Angebot.

Rasten: An der Wattenmeerseite gibt es die Kupferkanne. Dieses Ausflugsziel ist eingebettet in eine traumhaft schöne Kiefernlandschaft und umgeben vom ruhigen Watt. Draußen kannst du bei einem Tee mit Kandis und selbstgebackenem Kuchen den Ausblick genießen und nach einer langen Wanderung so richtig relaxen. Drinnen kannst du die gemütliche Atmosphäre des ehemaligen Bunkers auf dich wirken lassen. Magst du doch die Meerseite lieber? Dann lohnt sich ein Besuch der kultigen Buhne 16. Das Bistro liegt direkt am Nordseestrand.

Reiseführer-Tipp:

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