Reisen Wandern

Deutschlands Nordkapp – Wandern am Lister Ellenbogen

am
5. März 2018
Am nördlichsten Zipfel Deutschlands befindet sich die Halbinsel von List. Dieses wunderschöne Fleckchen Erde wird wegen seines ellenbogenförmigen Aussehens auch als „Ellenbogen“ bezeichnet. Das 1.300 ha große Naturschutzgebiet von List gehört zu meinen Lieblings-Orten der Nordseeinsel Sylt – insbesondere im Winter.
 
Schon als Kind liebte ich es mit meinem Großvater von Wenningstedt aus eine Radtour in den Norden zu unternehmen – zu „Deutschlands Nordkapp“. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Man fühlt sich wie auf einem anderen Planeten. Besonders beeindruckend finde ich heute wie früher die freilaufenden Schafe, die in der immergrünen Lister Idylle grasen. Mal sieht man sie allein, als Paar, zu dritt oder in ihrer Herde. Mal in Mitten der Heidelandschaft, dann auch überraschend auf oder an der Straße. Deshalb sind auch extra Schilder mit einem Schafssymbol aufgestellt. Vorsicht, freilaufende Schafe, oder so ähnlich.

Mehr Schafe als Menschen

Jetzt im Winter sind im Naturschutzgebiet List mehr Schafe als Menschen unterwegs. Der Gedanke daran lässt uns schmunzeln und erinnert uns an die Nordseeinsel Texel. Hier gibt es das ganze Jahr über mehr Schafe als Einwohner und Urlauber zusammen.
Wegen der eiskalten Witterung bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir nicht wie früher das Rad, sondern wir passieren das Mauthäuschen, zahlen bei einer netten Dame 5 EUR Maut (Deutschlands Nordkapp ist in Privatbesitz einer Erbengemeinschaft) und fahren dann mit unserem Auto über die Ellenbogenstraße bis zum großen Parkplatz an der Ellenbogenspitze – vorbei an Schafen, Dünen und Salzwiesen.

Nördlicher geht es nicht

Vom Parkplatz aus starten wir eine schöne Strandwanderung rund um den Leuchtturm List-Ost. Einer von zwei Leuchttürmen der Halbinsel und der nördlichste Leuchtturm Deutschlands. Schon von weitem erkennen wir den rot-weiß gestreiften, eisernen Turm. Er liegt mitten in der idyllischen und zugleich gewaltigen Dünenlandschaft mit Blicke auf die offene Nordsee und den Naturschutzpark Wattenmeer. Er ist ein Hingucker. Wie er so dasteht und jedem Wetter zu trotzen scheint – wobei heute die Sonne lacht. Der lange weiße, besonders feine Sand schimmert und versprüht ein Karibikflair.
Vom Strand aus betrachten wir das aufgepeitschte Meer und können nördlich in etwa 4 km Entfernung Sylt’s dänische Schwester Romo sehen. Vom Lister Hafen fahren mehrmals täglich Fähren, vorbei am Ellenbogen. Sie legen in Havneby an, direkt am kilometerlangen Strand. 100 km² ist Rømø und damit fast so groß wie Sylt. Die dänische Insel besteht vor allem aus Sand, Sand und nochmals Sand und hat mit 3km den breitesten Strand Europas. Wir erfahren auch, dass List früher mal zu Dänemark gehörte und Romo Sylt landschaftlich sehr ähnelt.

Feiner Sand, Dünen, die rauschenden Wellen, der Sylter Wind und Sanderlinge

Mit einem warmen Tee aus unserer Emsa-Thermoskanne setzen wir uns an den Strand. Der Strandhafer wiegt sich im Wind. Der feine Sand, die Dünen, die rauschenden Wellen, der Sylter Wind. All das lässt uns klare Gedanken fassen. Wir unterhalten uns und lachen. Vereinzelt sehen wir Paare mit oder ohne Hund, teils auch mit Familien. Doch mehr sehen wir Sanderlinge am Strand auf und ab rasen. Unsere erste Begegnung mit diesen witzigen Zeitgenossen machten wir bei einem Besuch des Darßer-Orts auf der Ostseeinsel Zingst. Seitdem sehen wir sie überall an Deutschlands Küste.
Weiter nördlich als hier geht es nicht. Die zehn Kilometer Landzunge sind das äußerte Ende von Sylt. Hier treffen die offene Nordsee und das ruhige Wattenmeer an der Ostspitze aufeinander. Mein persönlicher Lieblingsfleck. Hier bilden sich sichtbare Wirbel, die durch Tiefenströmungen entstehen. Das ist wohl besonders bei Robben sehr beliebt. In den letzten Wochen machten hier einige Rast und sonnten sich, erzählt uns ein nettes Pärchen. Auch ein Schild bittet den Wanderer Abstand zu halten und den Robben etwas Privatsphäre zu gönnen, wenn sie wie im Whirlpool am Wirbel baden oder sich in der Sonne tummeln.

Surfen am Königshafener Surf-Revier

Rückzu kommen wir auf der Wattseite auch am Königshafener Surf-Revier vorbei. Für Kiter und Windsurfer ist die Bucht ein Paradies – zumindest zwei Stunden vor und zwei Stunden nach Hochwasser. Dann heißt es Surfbrett einpacken, Neoprenanzug an und ab in die Wellen. Der Wind steht hier in der Surf-Zone fast immer günstig. Wanderer können nicht nur den Surfern zusehen, wie wir bei Sonnenuntergang, sondern auch unzählige Vögel beobachten. Die Königshafener Bucht ist nämlich auch Vogelschutzgebiet.
Grüße von der Nordseeinsel Sylt
Kristina & Patrick
 
Parkmöglichkeiten: Autos sind gebührenpflichtig. Für 5 EUR Maut kann man einen Tag das Lister Naturschutzgebiet entdecken. Die Investition lohnt sich! Parken kann man bspw. am nördlichsten Zipfel, der Ellenbogenspitze.
 
Rast-Tipps: Nach einer langen Wanderung im Naturschutzgebiet lohnt sich ein Besuch der Lister City. Diese befindet sich im Wandel. Neben dem Klassiker, der nördlichsten Fischbude Deutschlands, „Gosch“ am Hafen, gibt es seit kurzem auch das „Easy Living“ mit einer abwechslungsreichen Karte, die auch erstklassiges und fantasievolles Sushi sowie Spezialitäten mit dem Sylter Galloway-Rind anbieten.
 
Ausflugs-Tipp: Vom Lister Hafen starten mehrmals täglich Fähren nach Havneby/Rømø. Eine Ausflugsfahrt an den breitesten Strand Europas lohnt sich. Besonders im Winter ist man hier für sich und lauscht im Hintergrund nostalgischer Musik. In 40 Minuten etwa ist man schon in Dänemark. Mit etwas Glück sieht man auch eine rastende Robbe am Ellenbogen sonnenbaden oder im Wasser treiben.
 
Unser Film-Tipp: An einem gemütlichen Abend auf der Couch mal „The Ghostwriter“ schauen. Der beschauliche Ellenbogen ist tarnt sich darin als Ostküsten-Landschaft, wie etwa Long Island, östlich von New York. Wir kennen auch jemanden, der Long Island und Sylt sehr gut kennt und sagt, Long Island erinnere ihn sehr stark an die deutsche Nordseeinsel. Also, warum nicht mit einem Long Island Ice Tea auf die Couch und Pierce Brosnan und Ewan McGregor in Polanskis Politthriller sehen. 
 
Reiseführer-Tipp:

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